voziti.eu magazin

voziti Magazin · Ratgeber

Endlich den Führerschein! Dein erstes Auto – und wie du damit sicher nach Hause kommst

Oktober 2026 · ca. 9 Minuten Lesezeit

Prüfung bestanden, Führerschein im Geldbeutel – jetzt fehlt nur noch das Auto. Dein erstes Auto wird dein treuer Begleiter: zur Arbeit, zur Uni, ans Meer, mit Freunden. Damit es ein guter Begleiter bleibt und keine teure Sorge wird, gibt es hier Tipps zum Kauf, die wichtigsten Regeln für junge Fahrer in Kroatien – und ein paar ehrliche Worte zum Fahren selbst.

Gleich vorweg: Nein, wir wollen dich nicht belehren. Du hast deinen Führerschein, du bist erwachsen und triffst deine Entscheidungen selbst. Aber jeder von uns kennt Geschichten von Leuten, bei denen ein einziger Abend alles verändert hat – den Führerschein, den Job, Freundschaften, manchmal ein ganzes Leben. Wir wollen dir nur helfen, genau diesen einen Fehler zu vermeiden, der dich dein ganzes Leben verfolgen kann. Mehr nicht.

Junge Fahrerin hält stolz den Schlüssel ihres ersten Autos an einer Küstenstraße in Dalmatien

Die erste Frage: Wie viel Auto kannst du dir wirklich leisten?

Der Kaufpreis ist nur der Anfang. Ein Auto kostet jeden Monat Geld – und zwar mehr, als die meisten denken. Rechne deshalb zuerst die jährlichen Kosten aus und schau erst dann in die Anzeigen. Gute Faustregel: Halte ein Polster von einigen hundert Euro für die ersten Reparaturen zurück, denn auch ein gepflegter Gebrauchter will kurz nach dem Kauf meist irgendetwas.

  • Haftpflichtversicherung (AO): Pflicht und für junge Fahrer oft deutlich teurer. In Kroatien hängt die Prämie auch von der Motorleistung in kW ab – ein schwächeres Auto heißt niedrigere Prämie. Vergleiche mehrere Versicherer und frag nach Rabatten.
  • Zulassung und technische Prüfung: In Kroatien wird die Zulassung jedes Jahr verlängert, mit technischer Prüfung (tehnički pregled). Das ist strenger als z. B. in Deutschland, wo die Hauptuntersuchung für Pkw in der Regel alle zwei Jahre fällig ist.
  • Sprit: Rechne realistisch mit dem Verbrauch aus der Praxis, nicht aus dem Prospekt – und damit, wie viel du wirklich fährst.
  • Service, Reifen, Kleinkram: regelmäßiger Service, Winterreifen (oder Ganzjahresreifen), Parken, Maut, Waschen. Für den Winter gilt in Kroatien eine eigene Pflicht zur Winterausrüstung – mehr dazu in unserem Artikel über Winterreifen.
Tipp: Schreib alle Kosten für ein Jahr auf und teile durch 12. Wenn du diesen Betrag nicht entspannt jeden Monat zahlen kannst, such dir ein günstigeres Auto – lieber ein kleineres Auto ohne Stress als ein schönes, das steht, weil das Geld für Sprit fehlt.

Welches Auto passt zum Anfang?

Für das erste Auto gilt: übersichtlich, zuverlässig, günstig im Unterhalt. Ein Klein- oder Kompaktwagen lässt sich leichter parken, braucht weniger und ist günstiger zu versichern. 50 bis 90 kW Leistung reichen völlig – auch für die Autobahn und ein Auto voller Freunde.

  • Sicherheit zuerst: ESP, mehrere Airbags und ein gutes Euro-NCAP-Ergebnis sind wichtiger als große Felgen. Bei älteren Autos ist ESP nicht immer Serie – prüfen.
  • Parksensoren oder Kamera sparen Nerven und Blech – besonders in den engen Gassen der Altstädte.
  • Getriebe: Wer die Prüfung auf einem Automatikauto abgelegt hat, hat im Führerschein die Schlüsselzahl 78 und darf nur Automatik fahren – das gilt EU-weit. Vor dem Kauf prüfen.
  • Verbreitete Modelle haben günstige Teile und viele Werkstätten, die sie kennen. Exoten und sehr alte Sportwagen sind schön – als erstes Auto aber oft ein teures Hobby.
Junger Mann und Vater prüfen gemeinsam einen Gebrauchtwagen vor dem Kauf

Gebrauchtwagen: Worauf du beim Kauf achten solltest

Die meisten ersten Autos sind Gebrauchte – und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist, nicht unter Zeitdruck zu kaufen und sich nicht in ein Auto zu verlieben, bevor man es kritisch angesehen hat. Nimm am besten jemanden mit, der sich mit Autos auskennt.

  • Serviceheft und Rechnungen: belegen regelmäßige Wartung. Frag nach, wann Zahnriemen oder Steuerkette zuletzt gemacht wurden – das ist eine teure Arbeit.
  • Kilometerstand: muss zum Zustand von Lenkrad, Sitzen und Pedalen passen – und zu den Einträgen im Serviceheft und bei den technischen Prüfungen.
  • Rost und Unfallspuren: Schau dir Schweller, Unterboden, Radläufe und Spaltmaße an. Unterschiedliche Farbtöne verraten oft Reparaturen.
  • Probefahrt mit kaltem Motor: Anlassen, Geräusche, Bremsen, Schaltung, Lenkung ohne Zug zur Seite, keine Warnleuchten. Leuchtet etwas – lies unseren Artikel zur Motorkontrollleuchte.
  • Papiere: Der Verkäufer muss der Halter aus der Zulassung sein (oder eine Vollmacht haben), die Fahrgestellnummer am Auto muss zu den Papieren passen. Nie bar ohne Quittung zahlen.
  • Auto aus dem Ausland? Bei der Einfuhr nach Kroatien fällt die PPMV (Sondersteuer auf Kraftfahrzeuge) an, und das Auto muss durch die Typprüfung – das kann den Preis deutlich erhöhen. Details in unserem Artikel zu Einfuhr und Ausfuhr von Gebrauchtwagen.
Immer ein schriftlicher Vertrag: Ein Kaufvertrag schützt beide Seiten. Registrierte Nutzer von voziti.eu können eine fertige Vorlage kostenlos in ihrem Profil herunterladen.

Regeln für junge Fahrer in Kroatien – und wie es bei den Nachbarn ist

Das kroatische Gesetz kennt den Begriff „mladi vozač” (junger Fahrer): ein Fahrer zwischen 15 und 24 Jahren mit kroatischem Führerschein. Für ihn gelten besondere Regeln:

  • 0,0 ‰ Alkohol: kein einziges Glas. Während für andere Fahrer 0,5 ‰ gilt, darf ein junger Fahrer überhaupt keinen Alkohol im Blut haben.
  • Strengere Strafpunkte: Einem jungen Fahrer wird der Führerschein schon bei 9 negativen Punkten entzogen – anderen erst bei 12.
  • Ein hartnäckiger Mythos: Die 80-kW-Grenze für junge Fahrer wurde bereits 2015 abgeschafft, und die eigenen Tempolimits (80/100/120 km/h) gelten seit 2018 nicht mehr. Heute gelten für dich dieselben Limits wie für alle – das heißt aber nicht, dass du sie ausreizen musst.

Für alle Fahrer in Kroatien gilt außerdem: In der Winterzeit (von der Umstellung auf Winterzeit bis zur Sommerzeit) ist Licht am Tag Pflicht, vom 15. November bis 15. April auf den vorgeschriebenen Straßen Winterausrüstung, das Handy nur mit Freisprecheinrichtung, und im Auto müssen Verbandskasten, Warndreieck, Warnweste und Ersatzlampen sein (außer bei Xenon- und LED-Licht).

Fährst du mit dem Auto ins Nachbarland, Achtung: Viele Länder haben für Anfänger Regeln, die Kroatien nicht hat – und umgekehrt. Es gilt immer das Recht des Landes, in dem du fährst. Ein paar Beispiele:

  • Slowenien: Für Fahranfänger gilt 0,0 ‰.
  • Österreich: Probeführerschein mit 0,1-‰-Grenze – und strengeren Folgen bei Verstößen in der Probezeit.
  • Deutschland: zwei Jahre Probezeit; wer in der Probezeit oder unter 21 ist, fährt mit 0,0 ‰.
  • Italien: In den ersten drei Jahren nach der Prüfung gelten 0,0 ‰, niedrigere Tempolimits auf Autobahn und Schnellstraße sowie Leistungsgrenzen für das Fahrzeug.
  • Serbien: Probeführerschein mit zusätzlichen Einschränkungen, unter anderem 0,0 ‰.
Vor einer Fahrt ins Ausland die aktuellen Regeln beim Automobilclub (z. B. HAK, ADAC, ÖAMTC) oder auf dem EU-Portal „Your Europe” prüfen – Details ändern sich, und Unwissen schützt nicht vor Strafe.

Alkohol und Drogen: Null ist die einzig richtige Zahl

Die gesetzliche Grenze ist für dich ohnehin 0,0 ‰ – aber es geht hier nicht nur um die Strafe. Schon kleine Mengen Alkohol verlängern die Reaktionszeit, engen das Blickfeld ein und geben – am gefährlichsten – das falsche Gefühl, alles im Griff zu haben. Gerade bei jungen Fahrern, denen noch Erfahrung fehlt, ist das eine Kombination, die jedes Jahr in Tragödien endet.

Denk auch an den „Morgen danach”. Der Körper baut Alkohol langsam ab – grob 0,1 bis 0,15 Promille pro Stunde. Kaffee, Duschen oder Frühstück helfen nicht. Wer bis spät in die Nacht getrunken hat, hat morgens auf dem Weg zur Arbeit oder Schule leicht noch Alkohol im Blut.

Drogen sind tabu – für alle Fahrer, unabhängig vom Alter. Cannabis, Kokain und andere Drogen verändern Wahrnehmung und Einschätzung unberechenbar, besonders zusammen mit Alkohol. Spuren lassen sich noch lange nachweisen, nachdem man „nichts mehr merkt” – bei Cannabis auch noch einen Tag oder länger danach. Vorsicht auch mit Medikamenten: Manche Mittel gegen Allergien, zur Beruhigung oder gegen Schmerzen machen stark müde. Beipackzettel lesen – und Arzt oder Apotheke fragen.

Junge Leute vor einer Bar am Meer – einer ist der nüchterne Fahrer, im Hintergrund wartet ein Taxi

Die Folgen gehen weit über die Strafe hinaus: Führerscheinentzug, ein Strafverfahren, wenn jemand verletzt wird, und bei Fahrten unter Alkohol oder Drogen kann die Versicherung das Geld für den Schaden vom Fahrer zurückfordern (Regress) – schnell auch Zehntausende Euro. Am schwersten wiegt natürlich, was sich nicht bezahlen lässt: verletzte Freunde, Familien, das eigene Leben.

Plan vor dem Ausgehen, nicht danach: Macht aus, wer fährt und nichts trinkt – und das gilt dann wirklich den ganzen Abend. Oder lass das Auto daheim: Taxi, Fahrdienst per App, Nachtbus oder bei Freunden übernachten. Und steig nie zu jemandem ins Auto, der getrunken hat – auch nicht „nur bis nach Hause”. Nein zu sagen ist keine Schande, sondern die klügste Entscheidung des Abends.

Cool sein ist toll – sicher nach Hause kommen ist viel cooler

Die Statistik ist gnadenlos: Junge Fahrer sind in den ersten Jahren nach der Prüfung deutlich häufiger an Unfällen beteiligt als erfahrene. Nicht weil sie nicht fahren können – sondern wegen der Mischung aus wenig Erfahrung, zu viel Selbstvertrauen und Freunden im Auto. Die gute Nachricht: Die meisten Risiken hast du selbst in der Hand.

  • Tempo: Das Limit ist ein Maximum, keine Empfehlung. Regen, Nacht, eine unbekannte Straße oder eine unübersichtliche Kurve verlangen weniger – nicht mehr.
  • Abstand: Halte mindestens zwei Sekunden zum Vordermann, bei Regen mehr. Fast jeder Auffahrunfall ist eine Frage von zu wenig Abstand.
  • Handy weg: Die Nachricht kann warten. Schon zwei Sekunden Blick aufs Display bei 90 km/h sind 50 Meter Blindflug. Navi vor der Abfahrt einstellen.
  • Freunde im Auto: Ein volles Auto heißt mehr Lärm, mehr Ablenkung – und manchmal Druck, „zu zeigen, was die Kiste kann”. Du bist der Fahrer, du entscheidest. Echte Freunde wollen ankommen, nicht eine Show erleben.
  • Gurt für alle: auch auf der Rückbank und auch „nur bis zum Bäcker”. Der Fahrer sorgt dafür, dass alle angeschnallt sind.
  • Müdigkeit: Nach dem Ausgehen, einer Nachtschicht oder einem langen Tag sind die Reaktionen so langsam wie mit Alkohol. Auf langen Strecken alle zwei Stunden Pause – und nie „noch ein bisschen durchhalten”, wenn dir die Augen zufallen.
  • Musik und Bildschirme: Laut macht Spaß, aber Einsatzfahrzeuge, Hupen und Geräusche des eigenen Autos musst du hören können.
  • Übe, was schwer ist: Einparken, Autobahn, Nachtfahrten, Regen. Am Anfang mit jemand Erfahrenem daneben – auf einem leeren Parkplatz schaut keiner zu.

Kroatische Besonderheiten: Die Bora (bura) kann die Krk-Brücke oder Abschnitte der A1 und über den Velebit sperren – vor der Fahrt die Meldungen des HAK prüfen. Auf der Küstenstraße D8 (Jadranska magistrala) sind die Kurven schön, Überholen ist dort aber riskant. Im Sommer sind die Straßen voller Touristen, die den Weg nicht kennen und plötzlich bremsen. Und nachts kann in der Lika und im Gorski kotar Wild auf die Straße springen.

Junger Fahrer fährt in der Abenddämmerung ruhig eine Küstenstraße am Meer entlang, das Handy liegt mit dem Display nach unten

Unser Fazit

Dein erstes Auto muss weder das neueste noch das stärkste sein – es muss zuverlässig, bezahlbar und sicher sein. Kauf ohne Eile, rechne mit den echten Kosten und nimm jemanden mit, der sich auskennt. Und auf der Straße: null Alkohol, null Drogen, Handy weg – und fahr so, dass alle, die bei dir einsteigen, auch ankommen. Das ist das Coolste, was du am Steuer machen kannst. Gute Fahrt!

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information (Stand: Oktober 2026). Gesetzliche Vorgaben können sich ändern und unterscheiden sich von Land zu Land – maßgeblich ist immer das geltende Recht.

Mehr aus dem Magazin

Alle Artikel im Magazin →