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Im Gespräch mit Ante Blažević: „Das Auto ist kein Spaß, das ist Werkzeug“

Oktober 2026 · ca. 9 Minuten Lesezeit

Ante pendelt seit elf Jahren täglich von Vrlika nach Sinj und zurück. Ein Gespräch über 140 Liter Diesel im Monat, eine alte Tomos für die kurzen Wege – und die Frage, wie teuer Sprit eigentlich noch werden darf.

Älterer silberner Kompaktwagen und ein altes Moped vor einem Steinhaus im dalmatinischen Hinterland

Wir treffen Ante Blažević auf einem Parkplatz, wo er gerade einen glänzenden Wrangler in mattem Grau bestaunt und mit dem Handy fotografiert. Uns ist das Auto auch schon aufgefallen – ein echtes Schmuckstück. Nach einem kurzen, sehr netten Gespräch, wie man es eben führt, wenn man jemanden in eine Unterhaltung verwickeln möchte, lädt uns Ante auf einen Kaffee zu sich nach Hause ein. Frisch gemahlen, gerade gekauft. Er müsse nur noch schnell duschen, dann habe er alle Zeit der Welt – also fast.

Ante sitzt in der Küche seines Hauses am Ortsrand von Vrlika. Es ist früher Abend, die Arbeitsschuhe stehen noch an der Tür. Auf dem Tisch: eine Tasse Kaffee. Er raucht nicht, trinkt den Kaffee aber stark.

voziti.eu: Ante, du fährst jeden Tag 40 Kilometer zur Arbeit und abends wieder zurück. Wie lange machst du das schon?

Ante: Seit elf Jahren. Früher war’s näher, dann haben sie die Firma nach Sinj verlegt. 40 km hin, 40 km zurück. Bei gutem Wetter knapp 40 Minuten, bei Regen oder im Winter eher 50. Das Auto ist kein Spaß, das ist Werkzeug. Ohne Auto komme ich nicht hin. Öffentlicher Verkehr? Vergiss es. Der Bus fährt zweimal am Tag und passt nicht zu meiner Schicht.

voziti.eu: Was für ein Auto fährst du eigentlich?

Ante: Einen fünfzehn Jahre alten Škoda. Der läuft noch, solange ich ihn pflege. Mehr brauche ich nicht. Ein neuerer Wagen wäre schöner, klar. Aber der hier bringt mich jeden Tag hin und zurück. Das reicht.

voziti.eu: Du brauchst das Auto also fast nur für die Arbeit?

Ante: Genau. Für den Einkauf, zum Friseur, ins Dorf, zur Kirche – dafür habe ich die alte Tomos. Die läuft noch, solange ich sie pflege. Kostet fast nichts und reicht für die kurzen Strecken. Das Auto steht die meiste Zeit in der Garage und wird nur morgens und abends bewegt. Deshalb tut jeder Cent beim Sprit besonders weh. Es ist kein Luxus, den man mal weglässt. Es ist die Bedingung, dass ich arbeiten kann.

voziti.eu: Die Spritpreise in Kroatien sind schon lange ein Thema. Wie teuer darf der Liter eigentlich noch werden, bevor es für dich richtig eng wird?

Ante: (lacht kurz, aber ohne Humor) Eng ist es schon lange. Als der Diesel noch unter 1,20 lag, habe ich gesagt: Das ist normal. Bei 1,40 habe ich angefangen, genauer zu rechnen. Bei 1,60 hatte ich die erste richtig schlechte Nacht. Jetzt liegen wir wieder höher, und jeder weiß, dass es noch teurer werden kann.

Ich rechne einfach: 80 Kilometer am Tag, sagen wir 7 bis 7,5 Liter. Das sind gut 140 Liter im Monat, wenn man die Wochenenden und die paar Extrafahrten dazurechnet. Jeder Cent mehr ist spürbar. Bei 1,80 Euro pro Liter fange ich an, ernsthaft zu überlegen, ob ich mir das noch leisten kann. Bei 2 Euro wird es kritisch. Dann muss ich entscheiden: Entweder ich fahre weiter und spare woanders – Essen, Freizeit, Nebenkosten – oder ich suche etwas Näheres. Aber etwas Näheres gibt’s nicht einfach so.

voziti.eu: Wie weit würdest du mitmachen? Oder besser: Wie weit musst du mitmachen?

Ante: Mitmachen ist das falsche Wort. Ich habe keine Wahl. Ich kann nicht sagen: „Heute bleibe ich zu Hause, der Sprit ist zu teuer.“ Dann kommt kein Lohn. Und der Lohn ist auch nicht so, dass man einfach mal zwei Monate durchhält. Also fahre ich. Auch wenn es wehtut.

Ich würde mitmachen bis zu dem Punkt, an dem ich anfange, Schulden zu machen, nur um zur Arbeit zu kommen. Das ist die Grenze. Wenn der Sprit so teuer wird, dass ich am Monatsende merke, dass ein Viertel vom Lohn nur fürs Fahren draufgegangen ist – dann ist Schluss. Dann muss ich entweder den Job wechseln, umziehen oder schauen, ob die Firma etwas mit Fahrgemeinschaften oder einem Zuschuss macht. Bisher machen sie nichts. „Das ist euer Problem“, sagen sie.

voziti.eu: Und die Tomos? Hilft die wenigstens mental?

Ante: Die Tomos ist ehrlich. Die braucht wenig und gibt wenig. Genau wie die meisten von uns hier. Wenn ich damit zum Laden fahre, fühle ich mich nicht arm. Wenn ich morgens den alten Škoda anlasse und denke „schon wieder 40 Euro diese Woche“, dann schon. Die Tomos erinnert mich daran, dass man auch mit weniger auskommen kann. Das Auto erinnert mich daran, dass man manchmal nicht mit weniger auskommen kann.

Küchentisch mit einer Tasse Kaffee und Autoschlüssel, Arbeitsschuhe an der Tür

voziti.eu: Hast du schon mal über Elektromobilität nachgedacht? Ein Elektroauto, Fördermittel, so etwas?

Ante: Klar hab ich drüber nachgedacht. Irgendwann denkt doch jeder drüber nach. Aber leisten kann ich mir das einfach nicht. Das Haus frisst Geld, die Lebensmittel sind wahnsinnig teuer geworden. Alles auf einmal geht nicht. Ich lebe gut, ich beschwere mich nicht – aber Luxus ist das keiner. Brauchte ich aber auch nie. Ich schätze mal, siebzig Prozent meiner Nachbarn geht’s besser als mir. Die können sich so was vielleicht überlegen. Ich nicht. Bei mir bleibt der alte Diesel, solange der noch läuft.

voziti.eu: Was müsste passieren, damit sich für dich etwas ändert?

Ante: Entweder der Sprit wird spürbar billiger – oder die Löhne steigen endlich so, dass 140 Liter im Monat kein Drama mehr sind. Oder es gibt endlich anständige Verbindungen. Bis dahin fahre ich weiter. Ich muss ja. Wobei ich sagen muss, dass Kroatien im Vergleich zu anderen Ländern noch gut dasteht. Ich habe gesehen, dass in Deutschland der Liter Diesel aktuell 2,40 Euro kostet. Unvorstellbar für mich. Vermutlich gäbe es dann hier Proteste.

voziti.eu: Danke für deine Zeit.

Ante: Vrlo rado. (Sehr gerne.)

Ante steht auf, spült die Tasse aus. Draußen wird es dunkel. Morgen früh um halb sechs geht’s wieder los.

Im Gespräch mit … In unserer neuen Reihe sprechen wir mit Menschen aus Kroatien und der Region über ihren Alltag mit Auto, Motorrad, Boot oder Traktor. Sie haben eine Geschichte, die erzählt werden sollte? Schreiben Sie uns über die Kontaktseite.

Das Gespräch wurde im Oktober 2026 geführt und leicht gekürzt. Quellen der Zahlen: Regierung der Republik Kroatien (Höchstpreise ab 20.10.2026), EU Weekly Oil Bulletin (19.10.2026), Eurostat (2024), Kroatisches Statistikamt DZS, Centar za vozila Hrvatske.

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